BOS-Schüler als Dialektforscher

Den Leuten aufs Maul geschaut

Kelheim. Niemand geringerer als der „Dichterfürst“ Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) höchstpersönlich schrieb über den Wert der Mundart: „Jede Provinz liebt ihren Dialekt, denn er ist doch eigentlich das Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft.“ Treffender kann man die Bedeutung, die der Dialekt haben kann, kaum auf den Punkt bringen.

Mundarten sind annähernd so unterschiedlich wie jedes einzelne Dorf, dennoch können mehr oder weniger eindeutige Grenzen zwischen den größten Dialektregionen gezogen werden, gerade in unserer Heimatregion wird dies überdeutlich. Dieses Phänomens haben sich im Rahmen eines schulübergreifenden Projekts Berufsoberschüler/-innen vom Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Kelheim und der Maximilian-Kolbe-Schule Neumarkt i.d.OPf angenommen.

Unter Anleitung ihrer Deutschlehrkräfte Dr. Peter Kaspar und Caroline Mayer, die den theoretisch-wissenschaftlichen Rahmen schufen, gingen sie, bewaffnet mit Fragebögen, ans wissenschaftliche Arbeiten, dem Erheben von Dialektlautungen und -verbformen. Neben den lautlichen Realisationen der Wörter Kuh, Wald, viel und müde wurden die Verbformen ich muss und wir kommen abgefragt. Sage und schreibe knapp über 1.000 Rückläufer gingen in beiden Klassen ein, von denen 931 verwendbar waren – eine breite Datenbasis für den nun folgenden zweiten Teil des Projekts, dem Kartographieren und Auswerten, also dem Erstellen von Dialektkarten und deren Interpretation im Hinblick auf bairische und fränkische Dialektregionen. In Kleingruppen rauchten die Köpfe. Es wurden die Erhebungen nun bearbeitet, Lautungen verglichen, Zweifelsfälle besprochen und Dialektgrenzen erkannt.

Die Ergebnisse sind verblüffend: War noch in den 70-er Jahren des 20. Jahrhunderts die Donau eine einigermaßen feste Grenze zwischen dem Mittel- und Nordbairischen, vereinfacht ausgedrückt zwischen der Mundart der Oberpfalz und Niederbayerns, scheint sich dies im 21. Jahrhundert grundlegend geändert zu haben. Wie die Beispiele vui vs. vüll und mou vs. muaß zeigen, wird das Nordbairische immer mehr vom Mittelbairischen überlagert, das Nordbairische also ein gutes Stück weiter nach Norden gedrängt. Eine Ausnahme bildet das kleine Gebiet südlich der Donau von Saal Richtung Teugn, wo sich nordbairische Lautungen mitten in Niederbayern feststellen lassen. Die Schüler/-innen der B11 erfanden hierfür die Bezeichnung „Teugner Zipfel“.

Maximilian Ruhland (21), Schüler der Berufsoberschule Kelheim, zu seinen sehr persönlichen Erfahrungen: „Was mir die Auseinandersetzung mit unserem Dialekt gezeigt hat, ist, wie ähnlich doch die verschiedenen Lautungen selbst auf größere Distanzen sein können. Trotzdem finde ich als Paintner es natürlich schade, dass Formen wie Kouh, mäid und i mou immer weniger, vorwiegend in kleinen Dörfern, verwendet werden und sich mit dem Mittelbairischen vermischen.“

Deutschlehrer Dr. Peter Kaspar: „Es zeigt sich, dass die Mundart heutzutage noch große Bedeutung hat und man damit auch Schüler zu wissenschaftlichem Arbeiten anregen kann, die selbst keinen Dialekt haben. Die Ergebnisse der Studie sind interessant: Das Nordbairische, also Oberpfälzer Idiom, ist in unserer Region weit über die Donau nach Norden verdrängt worden, wird vom Mittelbairischen mehr und mehr überlagert.“

OStD Johann Huber, Schulleiter des Beruflichen Schulzentrums Kelheim: „Ich habe mich mit meinem eigenen Dialekt in den Ergebnissen der Studie sehr gut wiedergefunden. Meine Anerkennung den Nachwuchswissenschaftlern der BOS!“

Wer die Ergebnisse der Nachwuchswissenschaftler betrachten und vielleicht die eigene Heimat wiederfinden möchte, kann dies gerne tun. Auf den Homepages des Beruflichen Schulzentrums Kelheim und der Maximilian-Kolbe-Schule Neumarkt i.d.OPf sind diese einsehbar.

Autor: Dr. Peter Kaspar, StR

Die Ergebnisse

 

Seminar zum Thema „Europa vor den Wahlen 2019“

Kelheim. Am Sonntag, den 26. Mai 2019 findet die Europawahl statt. Zum neunten Mal seit 1979 wählen die Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union das Europäische Parlament. In einer Zeit, in der die EU bislang ungeahnten Herausforderungen gegenübersteht, werden die Ergebnisse dieser Wahl dieses Mal mit weitaus mehr Spannung erwartet als bei früheren Wahlen.

Um die Schülerinnen und Schüler der FOSBOS Kelheim für die anstehende Europawahl zu sensibilisieren und sie über das „Gebilde Europäische Union“ sowie deren aktuelle Herausforderungen zu informieren, organisierte OStR Stephan Pillmeier einen von der Hanns-Seidel-Stiftung e.V. geförderten Vortrag zum Thema „Europa vor den Wahlen 2019“. Eingebettet in dieses Rahmenthema brachte der Referent, Notarassessor und Wirtschaftsmediator Johannes Eichelsdörfer, den Schülerinnen und Schülern in einem ersten Teil die Geschichte bis zur europäischen Einigung näher und erläuterte wichtige Aufgaben der EU.

„EU hat zu Unrecht oft einen schlechten Ruf“

Eine wichtige Aufgabe stellt lt. Eichelsdörfer die wirtschaftliche Zusammenarbeit der EU-Mitgliedstaaten untereinander ohne Zollbeschränkungen dar. Die EU sorge ferner dafür, „dass in allen EU-Mitgliedstaaten im Sinne der Rechtsvereinheitlichung das gleiche Recht gilt“, erklärte der Referent und belegte dies mit Beispielen: „Denkt etwa an das EU-weite Rückgaberecht bei Onlinekäufen innerhalb von 14 Tagen oder an einheitliche Regelungen bei der Heirat zweier EU-Bürger aus unterschiedlichen EU-Ländern“.

Eichelsdörfer betonte, dass die EU zu Unrecht oft als „Bürokratiemonster“ stigmatisiert werde und verdeutlichte dabei, dass es gerade die EU-Mitgliedstaaten sind, die durch ihre Abstimmung bzw. Zustimmung einen hohen Anteil am Zustandekommen von genau diesen Regelungen haben.

Brexit als Herausforderung

In einem zweiten Themenblock ging Eichelsdörfer auf den Brexit, d. h. den bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der EU ein. In der Abstimmung zum Brexit votierten insgesamt 51,9 % der Bewohner Großbritanniens für und 48,9 % gegen den Austritt aus der EU. Insbesondere in England (ohne London) sprachen sich viele Wähler für den Austritt aus.

In Schottland und in Englands Hauptstadt London hingegen fiel die Abstimmung eher gegen den Brexit aus. Besonders auffällig sei dabei, dass die Wahlbeteiligung bei der älteren Generation, sprich bei den Wählerinnen und Wähler ab 55 Jahren, mit über 80 % besonders hoch war. „In dieser Wählergruppe haben sich überdurchschnittlich viele für den Brexit ausgesprochen“, so Eichelsdörfer. Bei den 18- bis 24-Jährigen, die tendenziell gegen den Brexit sind, haben allerdings nur 36 % ihre Stimme abgegeben.

Der Referent erläuterte den Zuhörern neben dem Abstimmungsergebnis im weiteren Verlauf, wie es überhaupt zum Referendum kam und betonte, dass der Tag des Brexits vor kurzem vom 12.04. auf den 31.10.2019 verschoben wurde. Über die tatsächlichen Auswirkungen und Herausforderungen des Brexits für die EU-Mitgliedstaaten, aber auch für Großbritannien, könne aktuell nur spekuliert werden.

Autor: Florian Pollich, StR

Workshop zum Assessment-Center an der FOSBOS Kelheim der ganz besonderen Art

Text statt dem BildDie Schülerinnen und Schüler der Klasse FW11c sind begeistert von den Lerninhalten.

Kelheim. 7.50 Uhr: Gerade kündigt der Schulgong die erste Schulstunde an der FOSBOS Kelheim an. Gespannt sitzen die Schülerinnen und Schüler der Klasse FOS Wirtschaft 11c auf ihren Plätzen. Für sie beginnt der heutige Unterricht jedoch mal ganz anders. Auf dem Stundeplan stehen in den kommenden fünf Unterrichtsstunden nicht die üblichen Inhalte der fachpraktischen Anleitung und Vertiefung, sondern ein Workshop der ganz besonderen Art.

Natalie SauerwaldSchülerin Tatjana Oberndorfer präsentiert das Gruppenplakat unter Einhaltung bestimmter Regeln.

 

Neben Vorstellungsgespräch häufig auch ein Assessment-Center

„Welche Besonderheiten gilt es bei einem Assessment-Center im Rahmen des Bewerbungsprozesses zu beachten?“ Um diese Frage zu klären, organisierte Studienrätin Christina Krauß kurzerhand einen Workshop, an dem alle 11. FOS-Klassen der Ausbildungsrichtung Wirtschaft und Verwaltung an drei Terminen teilnahmen. „Viele Schülerinnen und Schüler absolvieren nach der Fachoberschule entweder eine Ausbildung oder nehmen ein duales Studium auf. In diesem Zusammenhang kommen sie im Laufe des Bewerbungsprozesses immer wieder zwangsläufig mit einem Assessment-Center in Berührung. Vor diesem Hintergrund sollen unsere Jugendlichen und jungen Erwachsenen in diesem Workshop gewisse Besonderheiten und Tricks an die Hand bekommen, um ein solches Assessment-Center erfolgreich zu meistern“, schildert Krauß die Absicht der Veranstaltung.

Schülerinnen und Schüler betätigen sich aktiv und kreativ

Doch wer gedacht hatte, dass das ein über 5 Schulstunden andauernder, monotoner Vortrag werden würde, wurde gleich zu Beginn des Seminars eines Besseren belehrt. Der Leiter des Seminars, Michael Wochinger von der AOK Kelheim, verstand es, die Schülerinnen und Schüler nicht nur theoretisch über die Besonderheiten rund um das Assessment-Center zu informieren, sondern die Jugendlichen und jungen Erwachsenen selber aktiv gestalten und probieren zu lassen. Nach einer kurzen Einführungsphase durften die FOS-Schülerinnen und FOS-Schüler gleich richtig aktiv werden. Im ersten Handlungsauftrag ging es darum, Gruppen zu bilden und über ein Gruppenmitglied ein Plakat zu erstellen, das diese Person näher vorstellt. Der Kreativität in der Gestaltung dieses Flipchartplakates waren dabei keine Grenzen gesetzt. Im Anschluss an die Erstellung folgte dann die Vorstellung im Plenum und ein konstruktives Feedback durch Wochinger. Im weiteren Verlauf des Workshops stand schließlich eine Diskussion in Kleingruppen an. „Sinn dieser Gruppendiskussion soll es sein, zu einem Konsens zu gelangen“, erklärt Wochinger den Diskutanten. Wichtig hierbei sei es, bestimmte Regeln zu beachten wie z. B. respektvoller Umgang miteinander, den anderen ausreden lassen, auf Standpunkte des anderen Bezug nehmen, seine eigene Meinung sachlich fundiert begründen und rücksichtsvoll handeln, ohne sich mit aller Macht durchsetzen zu müssen etc. – Das sind Regeln, die auch insbesondere in jedem Assessment-Center zur Anwendung kommen und geprüft werden, ob sie eingehalten werden. „Insbesondere achten die Beobachter darauf, wie ihr argumentiert und wie gut ihr miteinander agiert“, gibt Wochinger – der selber schon in der Rolle des Bewerbers war und sich nun in der Position des Beobachters in einem Assessment-Center befindet – an die Seminarteilnehmer weiter.

Bau einer Murmelbahn

Ein Highlight der Veranstaltung stellte der Bau einer Murmelbahn dar. Ziel dabei war es, in der Gruppe eine funktionsfähige Murmelbahn zu bauen. Dabei kam es neben Teamfähigkeit auch darauf an, die Aufgabenstellung spontan umzusetzen und logisches Denken unter Beweis zu stellen. Mit Feuereifer bauten die einzelnen Gruppen Murmelbahnen und ließen ihrer Kreativität dabei freien Lauf. Der Grund für diesen Programmpunkt: Diese problemlösende Aufgabe könnte in dieser oder einer ähnlichen Form in einem jeden Assessment-Center vorkommen. „Und da kommt es auch auf das Gruppenverhalten an“, so Wochinger und ergänzt: „Wichtig dabei ist es, die vorgegebene Situation innerhalb einer bestimmten Zeit möglichst produktiv anzugehen und einen möglichst durchdachten Lösungsvorschlag zu präsentieren.“

Workshop kommt gut an

Dass der Workshop bei den Schülerinnen und Schülern gut ankam, beweisen nicht zuletzt Kommentare wie „Der war super locker!“, „Die Inhalte waren spannend, da man vieles selber ausprobieren durfte!“ oder „Die Tipps von Herrn Wochinger sind für meine zukünftigen Bewerbungen äußerst hilfreich“. Und die Tipps von Wochinger waren mehr als hilfreich. Kleine Kostprobe: „Setzt euch bei der Präsentation eurer Person folgendes Ziel: Verbindet eure Hobbies mit euren Stärken“, rät der Experte, und gibt hierzu ein Beispiel zur Veranschaulichung: „Wenn jemand gerne und regelmäßig Joggen geht, könnte dies bedeuten, dass diese Person großes Durchhaltevermögen hat und willensstark ist.“ Nicht nur Nguyen Thi, Kim aus der Klasse FW11c war vom Ablauf des Workshops begeistert und zieht auch gleich Rückschlüsse für ihre zukünftigen Bewerbungsgespräche: „Ich werde mir bei Präsentationen flüssige Übergänge überlegen und meine Hobbies mit Stärken verbinden“, reflektiert die 18-jährige Siegenburgerin. Ihr konnte Klassenkameradin Lena Heininger nur zustimmen: „Dadurch, dass Herr Wochinger uns hilfreiche und praxisnahe Tipps gab, fühle ich mich auf ein reales Assessment-Center jetzt deutlich besser vorbereitet.“, so die 16-Jährige.

Autor: Florian Pollich, StR

Of Melting Pots and Border Fences - Immigration and American Society

Dr. Hünemörder von der LMU mit beeindruckendem Vortrag am BSZ Kelheim

Vortrag HünemörderDr. Hünemörder mit interessanten Einblicken in die Einwanderungsgeschichte der Vereinigten Staaten.

Kelheim. Durch Donald Trump ist die Immigration in und nach Amerika immer wieder im Gespräch. Seit seinem Amtsantritt 2017 versucht der 45. Präsident der USA nun schon - sein Wahlversprechen - die Mauer an der Grenze zu Mexiko, Realität werden zu lassen.

Zu diesem und vielen weiteren Themen durften sich die 12. und 13. Klassen am 22.03.19 den Vortrag "Of Melting Pots and Border Fences - Immigration and American Society" von Dr. Markus Hünemörder von der LMU anhören. Viele neue Sichtweisen wurden uns hier nähergebracht und manchmal sogar mithilfe von Szenen aus den Simpsons verdeutlicht und aufgelockert.

Insgesamt war der Vortrag überaus interessant und obwohl er durchweg auf Englisch präsentierte, schaffte es Dr. Hünemörder, dieses komplexe Thema sehr verständlich darzulegen.

Autor: Nina Donauer, FS13

Schülerinnen und Schüler der FOS Kelheim gegen Hassbotschaften im Internet

Bild1Stolz präsentiert Tanya Valcheva der Workshopleiterin, Nicole Rauch, ihre Videosequenz.

Kelheim. Es vergeht kein Tag, an dem die 12-jährige Miray (fiktiver Name) aus München, die ein Kopftuch trägt, nicht durch einige ihrer Mitschüler beleidigt und rassistisch beschimpft wird. Hinzu kommt, dass die verzweifelte Schülerin eines Tages im Internet, genauer gesagt auf sozialen Medien, mehrere Hasskommentare über Frauen mit Kopftuch entdeckt, welche zahlreich geteilt wurden. Man merkt, wie ratlos das junge Mädchen ist und wie stark sie diese Hasskommentare belasten. Dieses Szenario spielt sich mit Sicherheit so oder so ähnlich tagtäglich an den verschiedensten Orten und in den verschiedensten Facetten im realen Alltag, aber auch in den sozialen Medien im Internet ab.

Bild 2Letzter Check der Videosequenz vor der Präsentation.

Oft unkritischer Umgang mit Inhalten aus sozialen Medien

Tatsächlich verbreiten sich Hassbotschaften in sozialen Medien bzw. im Internet oft in Windeseile, sei es durch Bilder, Musikvideos oder etwa in Form von herabwürdigenden Texten; und das unter anderem auch, weil mit vielen Inhalten aus dem Netz oft zu unkritisch umgegangen wird.

Bild 3Werte, die auch in der digitalen Welt gelebt werden sollen.

Genau an diese Problematik knüpft das Projekt „bildmachen – Politische Bildung und Medienpädagogik zur Prävention religiös-extremistischer und rassistischer Ansprachen in Sozialen Medien“ an, das vor kurzem im Rahmen eines zweitägigen Workshops an der FOSBOS Kelheim stattfand und von Nicole Rauch sowie Lena Riede vom Münchener Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis (JFF) in Kooperation mit ufuq.de begleitet wurde.

Nicht allen Inhalten Glauben schenken

„Da vor allem junge Menschen häufig im Internet surfen und mit Inhalten im Netz zu einem großen Teil unbefangen umgehen und diese nicht selten unkritisch teilen und weiterverbreiten, lag meine Motivation darin, das Projekt an die FOSBOS zu holen, zumal das Berufliche Schulzentrum Kelheim eine ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‛ und gleichzeitig eine ‚Referenzschule für Medienbildung‛ ist, in der eine offene Willkommenskultur herrscht“, schildert FOS-Lehrer Dr. Peter Kaspar, und ergänzt: „Die Schülerinnen und Schüler sollen durch den Workshop erkennen, dass eine differenzierte und selbstkritische Auseinandersetzung mit Inhalten im Bereich der Sozialen Medien bzw. des Internets enorm wichtig ist“ – und genau daran orientiert sich das Hauptziel des zweitägigen Workshops: Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollen für Inhalte im Netz sensibilisiert werden und Botschaften, die im Internet oft unter dem Deckmantel der Anonymität verbreitet werden, richtig einordnen können, getreu nach dem Motto: „Glaube nicht alles, was im Internet steht, sondern hinterfrage Inhalte kritisch!“

Bild 4Werte am BSZ Kelheim, die nicht nur durch das zweitägige Projekt verwirklicht werden.

Wirre Pauschalisierungen als Bestandteil von Hassbotschaften im Internet

Damit die Schülerinnen und Schüler Botschaften im Internet kritisch bewerten können, stand der erste Teil des Workshops daher ganz im Zeichen der Frage „Woran erkenne ich überhaupt eine Hassbotschaft?“. „Ihr solltet vor allem auf bestimmte Sprachmuster achten“, erläutert Nicole Rauch vom JFF, und fügt Beispiele hinzu: „Eine sehr häufige Form, diffuse Hassbotschaften zu formulieren, zeigt sich in der Gleichsetzung wie etwa ‚Alle Flüchtlinge sind Sozialschmarotzer‛ oder aber in der vermeintlichen Gruppenbildung wie z. B. ‚Wir müssen unsere deutschen Frauen vor Asylanten schützen‛“. „Genau dieser sogenannten „Hate Speech“ in Sozialen Medien im Internet müssen wir entschieden und energisch entgegentreten“, so Lena Riede.

Zusammen Alternativbotschaften formulieren

„Immer wieder hören wir von Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Aussage ‚Ich kann gegen Hassbotschaften im Internet eh nichts bewirken, und schon gar nicht alleine‛, berichtet Rauch. „Genau dieser Gedanke soll durch unser Projekt revidiert werden.

Bild 5„Daumen hoch für Toleranz“, heißt es im Video von Jetlinda Qatani.

Es kann jeder etwas gegen Hassbotschaften im Internet tun und Alternativbotschaften formulieren, welche die menschenverachtenden Inhalte der „Hate Speech“ wirksam entkräften – am besten in einer Gruppe,“, motiviert die Leiterin des Workshops alle Anwesenden; und diese ließen sich nicht lange bitten, als es hieß: „Formuliert eine alternative Gegenrede, welche man in den Sozialen Medien posten könnte.“ Mit Spaß und Eifer entkräfteten die FOS-Schülerinnen und FOS-Schüler eine pauschalisierende und diskriminierende Falschaussage und Hassbotschaft nach der anderen.

Videodreh rundet Workshop ab

Ein weiteres Highlight bildete das Drehen von Videosequenzen anhand eines Mobbing-Szenarios, in dem eine Schülerin mit Kopftuch rassistisch beleidigt und von einigen Mitschülern in einen Raum der Schule eingesperrt wird. Sie postet über Soziale Medien Bilder von ihrer verzweifelten Lage, die ein Freund entdeckt und sie schließlich aus ihrer misslichen Lage befreit. In einem Rollenspiel wurde diese Szene nachgespielt und mit Smartphones aufgezeichnet. Der Kreativität und technischen Gestaltung der Videosequenzen waren dabei keine Grenzen gesetzt.

„Die Schülerinnen und Schüler haben tolle Videos gedreht. Mich hat dabei besonders beeindruckt, dass sich beim Rollenspiel auch die eher zurückhaltenden Schülerinnen und Schüler öffneten“ lobt Lena Riede die Einsatzbereitschaft der Jugendlichen.

Hoher Erkenntnisgewinn für alle Schülerinnen und Schüler

Am Ende waren sich alle Schülerinnen und Schüler einig: Der Workshop hat durch seine abwechslungsreichen Inhalte sehr großen Spaß gemacht. „Ich fand es super, aufgezeigt zu bekommen, wie man Hassbotschaften in Texten, Bildern und Videos identifizieren kann“, reflektiert der 17-jährige FOS-Schüler Meredith Heyden aus Siegenburg, und fügt hinzu: „Zudem hinterfrage ich Informationen vor allem aus den Sozialen Medien jetzt noch kritischer, indem ich zum Beispiel überprüfe, woher die Inhalte aus einem Internetkommentar oder einem Bild genau stammen.“

Auch Melina Scherbaum ist vom Projekt begeistert. „Jetzt kann ich noch besser auf Hassbotschaften im Internet reagieren“, so die 16-Jährige aus Mainburg. Dem können Emily Leipritz (16) aus Siegenburg und Tanya Valcheva (17) aus Mainburg uneingeschränkt zustimmen: „Einen Workshop in dieser Form hatten wir bisher noch nicht gemacht“, äußerten sich die beiden Schülerinnen, die sich durch die gesammelten Erfahrungen aus beiden Tagen darin bestärkt sehen, ihre offene Einstellung gegenüber anderen Ethnien genau so weiter zu leben und dafür auch in den Sozialen Medien aktiv einzutreten.

Nachhaltigkeit des Projektes am BSZ Kelheim

Aufgrund der hohen gesellschaftlichen Relevanz der Workshop-Inhalte und zum Zwecke der Förderung der Nachhaltigkeit des Projektes am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Kelheim gibt es an der Schule in naher Zukunft eine Fortbildung, in der das Projekt allen interessierten Lehrkräften vorgestellt wird, welche ihrerseits dann als Multiplikatoren wirken und so möglichst viele Schülerinnen und Schüler erreichen können, um Hassbotschaften in Sozialen Medien im Internet aktiv und effektiv zu bekämpfen.

„Es kann jeder etwas gegen Hassbotschaften im Internet tun.“ (Nicole Rauch, Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis)
„Die Schülerinnen und Schüler sollen durch den Workshop erkennen, dass eine differenzierte und selbstkritische Auseinandersetzung mit Inhalten im Bereich der Sozialen Medien bzw. des Internets enorm wichtig ist.“ (Dr. Peter Kaspar, Lehrer an der FOSBOS Kelheim)
„Ich hinterfrage Informationen vor allem aus den sozialen Medien jetzt noch kritischer.“ (Meredith Heyden, Schüler der FOS-Vorklasse)

Autor: Florian Pollich, StR

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