Mundartförderung beginnt bei der kommenden Elterngeneration

FOS Kelheim und FOS/BOS Amberg führen gemeinsames Projekt zur Mundartförderung und zur demokratischen Werterziehung durch

Gleißenberg Foto 1Der Vorsitzende des Fördervereins Bairische Sprachen und Dialekte, Horst Münzinger, bei seinem interessanten Vortrag über die Geschichte der Bairischen Sprache.

Amberg/Kelheim. „In Bayern verwurzelt – in Europa daheim“, so lautete das Motto eines schulübergreifenden Projekts der FOS Kelheim sowie der FOS/BOS Amberg, welches Ende Februar im Schullandheim Gleißenberg umgesetzt wurde. Im Wesentlichen wurden dabei zwei Ziele verfolgt: Einerseits die Stärkung des europäischen Grundgedankens und der demokratischen Gesinnung mit Blick über den nationalen Tellerrand. Andererseits aber auch eine Besinnung auf unsere regionale Kultur, die sich nicht unwesentlich auch über unseren Dialekt definiert.

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Die Schüler der Beruflichen Oberschulen in Kelheim und Amberg mit ihren beiden Lehrkräften Andreas Fischer (rechts) und Josef Irl (links) bei ihrem Ausflug in Prag. 
 

Die Lehrkräfte Andreas Fischer (FOS Amberg) und Josef Irl (FOS Kelheim) konnten für diese Ziele einige Referenten engagieren, so dass das Programm der Woche mit verschiedenen Vorträgen und Workshops abwechslungsreich wurde. So wurden die Schüler zunächst allgemein mit den Grundwerten der Demokratie vertraut gemacht, ehe man auf EU-Ebene analysieren konnte, inwiefern die verschiedenen Organe diese umzusetzen versuchen. Konkretisiert wurde das Ganze bei einem Ausflug nach Prag unter dem Aspekt der bayerisch-böhmischen Geschichte.

 

Dialekt ist nicht schädlich, sondern eine Bereicherung für das Sprachgefühl

Besonders hervorzuheben in Bezug auf die Heimat-Thematik ist der Streifzug durch die 1500-jährige Geschichte der bairischen Sprache, den Horst Münzinger, Vorsitzender des Fördervereins Bairische Sprachen und Dialekte (FBSD), den Schülern verständlich darlegte. Dabei kam vor allem auch heraus, dass die bairischen Dialekte nicht eine minderwertige Abwandlung des Schriftdeutschen sind, sondern eine viel ältere Geschichte aufweisen und teilweise eine eigene Grammatik und eigenes Vokabular besitzen. Für die massive Bedrohung des Fortbestands der Dialekte allgemein in Deutschland seien sprachwissenschaftlich längst widerlegte Falschannahmen der 1950er-1970er Jahre verantwortlich, die noch heute nachwirken, wenn Kindern im Elternhaus oder an Schulen der Gebrauch ihrer Heimatsprache untersagt wird. Es sei mittlerweile vielfach nachgewiesen, dass die innere Zweisprachigkeit (Dialekt-Schriftsprache) förderlich für das Lernen weiterer Sprachen und das Sprachgefühl im Allgemeinen ist.

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Die Schüler der Beruflichen Oberschulen in Kelheim und Amberg beim abschließenden Tanzabend im Schullandheim Gleißenberg.
 

Schüler singen mit Gstanzln die Lehrer aus und lernen Volkstänze

Zwei weitere Höhepunkte der Woche waren der Kirwatanzkurs, gehalten von Alfred und Anita Merl aus Haselbach, und der Gstanzl-Workshop, den Evi Strehl vom Bayerischen Rundfunk übernahm. Ziel war dabei nicht eine klischeehafte Bayerntümelei, sondern die Kontaktaufnahme mit der Vielfalt der eigenen Kultur sowie der Aspekt der Geselligkeit. Insgesamt konnte also gezeigt werden, dass Heimatliebe und globales Denken kein Widerspruch, sondern vielmehr eine fruchtbare Synthese ergeben können.

Autoren: Josef Irl (BO Kelheim), Andreas Fischer (BO Amberg)

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